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Thread: Gaan

  1. #1
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    Apr 2014
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    Gaan

    Name: Gaan
    Alter: 23
    Herkunft: Hat er vergessen
    Grund der Verurteilung: Wilderei


    Aus einer Familie stammend, die von Ort zu Ort zog, kein Geld für Obdach hatte und für Nahrung und Wasser stehlen musste, hatte Gaan wahrlich kein leichtes Leben. Die Menschen in den Städten und Dörfern waren, aufgrund des Orkkrieges an den Grenzen des Reiches, sehr vorsichtig und misstrauisch gegenüber Fremden. Es geschah nicht selten, dass sie nicht einmal in die Dörfer hineingelassen wurden. Somit hatten sie keine andere Möglichkeit, als sich in verlassenen und heruntergekommenen Scheunen, Häuser oder Höfe als provisorische Behausungen für die Nächte zu suchen. Wenn es wieder einmal dazu kam, war die einzige Möglichkeit für sie, um nicht hungrig schlafen zu müssen, die Jagd oder der Viehdiebstahl.
    Jahre zogen ins Land und Gaan wuchs zu einem Jungen heran. Seine Eltern verschieden als er gerade einmal 16 Jahre alt war. Er versuchte das Leben so weiterzuleben, wie er es von seinen Eltern gelernt hatte.

    Eines Abends, als Gaan bereits 18 Jahre alt war, sah er von Weitem die Stadt Trelis und freute sich schon auf einen kühlen Krug Met und ein sauberes Bett für die Nacht. Die Wachen vor den Mauern hielten ihn auf und wollten wissen, was sein Begehr sei. Er sah jedoch so verwahrlost aus, das die Wachen meinten, Landstreicher und Gesindel habe in ihrer Stadt nichts verloren.
    So musste Gaan sich eine alte Gutshausruine für die Nacht einrichten. Er sammelte Holz für ein Feuer und breitete ein paar Felle als Bett aus, als sein Magen sich lautstark meldete. Er hatte Hunger. Gaan nahm das Messer seines Vaters und machte sich auf den Weg in den Wald um Trelis. Er fand schnell Fußspuren, die er zweifellos als Hasenpfoten identifizieren konnte. Allerdings waren auch noch ihm fremde Spuren auszumachen, die in die selbe Richtung führten. Argwöhnisch folgte er den Spuren bis zu einer Höhle in einem kleinen Kessel. Der Boden des Kessels war mit Grass bewachsen und einige Hasen fraßen dort seelenruhig. Gaan grinste: So ein Brocken würde ihn sicher mehr als einen Tag satt machen. Vorsichtig, um die Hasen nicht zu verschrecken, schlich er zurück und baute beim Pfad, der zur Höhle führte eine Falle auf. Jetzt musste er die Hasen nur noch aufscheuchen.
    Als er wieder bei den Hasen ankam, sprang er aus dem Gebüsch. Ein Stampfen mit dem Fuß, ein lautes "He!" und schon flitzten die Hasen in alle Richtungen davon. Auch in die Richtung seiner Falle. Gaan lächelte: Er wusste, das sie nicht daran vorbeikämen und wollte sich noch ein wenig umsehen, als er ein lautes Grunzen hörte... Er wirbelte herum.
    Sein Ausruf hatte nicht nur die Hasen aufgeschreckt. Ein riesiger Oger, nur mit einem Lendenschurz bekleidet, stand nun direkt vor ihm. Er war mit einer primitiven, aber nichtsdestotrotz riesigen und zweifellos tödlichen Keule bewaffnet. Der Oger brüllte laut und schwang seine Keule. Gaan versuchte mit einem Satz nach hinten auszuweichen und sich dann zur Flucht zu wenden, doch er war zu langsam. Die Keule traf ihn mit voller Wucht am Kopf. Er brach, wie von einer plötzlichen Dunkelheit umfangen, zusammen und wusste von nichts mehr.

    Als er erwachte, blendete ihn die Sonne, sodass er nichts sehen konnte. Als sich seine Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten, merkte er, dass sich über ihm die Baumkronen langsam über ihn hinweg zogen. Was war passiert? Wo war er? Und was war das für ein knarrendes Geräusch?
    Ein Gesicht schob sich vor die Baumwipfel...
    "Oh du bist wach! Wie geht es dir?"
    Gaan richtete sich langsam auf. Er blickte sich um und sah woher das Geräusch kam. Er saß auf einem Ochsenkarren, unter ihm ein paar verschiedenfarbige Felle.
    "Keine Angst, du bist in Sicherheit.", sagte der Fremde.
    Gaan betrachtete den Mann, der neben dem Karren her ging. Er war ein kräftiger Mann, mit kurzgeschnittenem Bart und tiefgrünen Augen. Seine Kleidung war abgenutzt und schmutzig. Er trug eine grüne Lederweste und darunter ein ehemals weißes Leinenhemd. Die Hose war ebenfalls aus Leder gefertigt, und musste einmal braun gewesen sein. Durch den Staub und den Dreck war die ursprüngliche Farbe kaum mehr zu erkennen. Sie wurde von einem breiten Ledergurt gehalten, an dem diverse Messer und einige Werkzeuge hingen.
    "Wie heißt du denn Junge?", fragte der Mann "Ich heiße Bram."
    "Ich? Ich... ich heiße... Gaan, glaube ich" antwortete Gaan. Sein Kopf brannte wie Feuer und legte die Hand an seine Schläfe. Er spürte einen Verband, der um seinen Kopf gewickelt war.
    "Finger weg, den machst du erst ab, wenn ich es dir sage" fuhr ihn Bram an. "Ich denke bis du wieder auf den Beinen bist, wirst du erstmal bei mir leben."
    Gaan nickte nur, legte sich wieder hin und schlief fast augenblicklich ein.

    Als er erneut erwachte, lag er in einem Bett. Als er die Decke weg schlug merkte er, dass er ein weißes Leinenhemd trug, das ihm um einiges zu groß war. Gaan wusch sich an einer Schüssel mit klarem Wasser, die für ihn bereitstand. Dann zog er seine eigenen, inzwischen gewaschenen Kleider wieder an und ging durch die angelehnte Tür ins helle Sonnenlicht. Bram stand an einer Werkbank und schnitzte sich neue Pfeile.
    "Ah, wieder fit mein junger Freund?" fragte Bram lächelnd.
    Gaan brummte etwas unverständliches und der Alte lachte. Interessiert stellte sich Gaan neben seinen Retter und beobachtete ihn bei seiner Arbeit.
    Die Tage zogen ins Land und Gaan schloss den Mann immer mehr ins Herz. Als seine Wunde verheilt war und Bram ihm anbot bei ihm zu bleiben und bei ihm das Jagdhandwerk zu erlernen, willigte er freudig ein. Er erinnerte sich noch immer nicht an sein Leben vor dem Erwachen auf dem Karren. Nichts zog ihn also fort.

    So zogen weitere Jahre ins Land und als Gaan 23 Jahre alt war ging er in der Nähe von Montera Wölfe jagen. Dort wurde er von Paladinen aufgegriffen und wurde wegen angeblicher Wilderei festgenommen. Sie brachten ihn in die Hauptstadt Vengard und warfen ihn ohne Prozess in den Kerker. Er siechte Monate vor sich hin und vergaß die Welt dort draußen langsam. Schließlich wurde er von ein paar Gardisten auf das Schiff "Esmeralda" gebracht. Dort traf er auf einen weiteren Gefangenen. Er hatte die komische Angewohnheit, das sein Blick nie lange auf einem direkt wohnte. Er drifte beim zusehen stets nach einer kurzen Weile ab. So kam es, das Gaan nach ein paar Tagen den gewöhnlichen Namen seines Gegenübers nicht mehr benutzte, sondern ihn schlicht Fischauge nannte. Nach Wochen auf hoher See und einem schweren Sturm kamen sie letztendlich auf der Insel Khorinis an.
    Direkt am nächsten Tag wurde er mit einigen anderen Gefangenen ins Minental gebracht. Gaan stand auf einer Klippe und vor ihm schimmerte ein blaues Licht: Die Barriere, das war sie also. Hm, gar nicht mal so spektakulär, wie sie immer beschrieben wurde. Er sollte eines besseren belehrt werden.
    Ein plötzlicher Stoß in den Rücken und kurzes Kribbeln auf der Haut, als er die Barriere passierte, und er fiel mit einem lauten Aufplatschen ins Wasser.

    Ein neues Abenteuer begann... und wo war Fischauge?
    Last edited by Gaan; 27.07.2014 at 15:06.
    Der Jäger kennt den Atem der Natur, ihren gleichmäßigen Pulsschlag und selbstverständlichen Rhythmus.
    ihre Einfachheit und Ursprünglichkeit empfindet er als Glück.
    Der Jäger ist nicht der Feind des Tieres.
    Er kennt vielmehr eine mystische Verbundenheit mit ihm, auch dann,
    wenn der Kampf
    elementar und tödlich ist.

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